Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland

Interview-Methode: Lebensgeschichtliche Interviews

Die Schwestern Chryssoula Eliasaf und Fortune Gani, Überlebende des Holocaust. Photographisches Projekt: Artemis Alkalai.

Die Schwestern Chryssoula Eliasaf und Fortune Gani, Überlebende des Holocaust. Photographisches Projekt: Artemis Alkalai.

Obwohl das Forschungsinteresse im Projekt „Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland“ im Wesentlichen auf der Zeit der Besatzung liegt, werden Interviews geführt, die das gesamte Leben der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen abdecken. Die Entscheidung, diese lebensgeschichtlichen Interviews zu führen, wurde getroffen, da die Prägung der Interviewten vor der Zeit der Besatzung wichtig ist, um ihre Haltung und Handlungen während der Okkupation verstehen zu können. Die Erinnerungen an die Zeit nach der Besatzung sind wichtig, da sich das Erlebte auf die gesamte Biografie der Einzelnen auswirkte.

Ablauf der Interviews
Die Interviewer und Interviewerinnen bereiten sich gründlich auf die Interviews vor. Sie verfügen über ein umfassendes Expertenwissen zur nationalsozialistischen Okkupation Griechenlands und haben sich über die Lebensumstände der zu interviewenden Personen informiert. So können sie die Lebensgeschichten in ihrer ganzen Komplexität erfassen. Ferner erarbeiten die Interviewenden Fragen, die dabei helfen sollen, die Biografie der Befragten und die Ereignisse während der Okkupation zu verstehen.

In diesem Projekt orientieren sich die Interviewer an der biografisch-narrativen Methode nach Alexander von Plato. Dabei erhalten die Interviewten die Möglichkeit ihr gesamtes Leben ohne Unterbrechungen und mit einer eigenen Schwerpunktsetzung, assoziativ oder auch chronologisch, zu erzählen. Dies tun sie in der ersten (offenen) Interviewphase, die durch eine allgemeine Frage eingeleitet wird: „Könnten Sie uns bitte Ihre Lebensgeschichte erzählen?“.

Nur wenn die Interviewten dies wünschen, wird von der offenen Interviewführung auf das Stellen von konkreten Fragen umgestellt.

In einer zweiten Phase formulieren die Interviewenden Fragen, die dabei helfen, unklare Punkte in der Erzählung besser zu verstehen und mögliche Missverständnisse auszuräumen.

Erst in der dritten Phase erfolgt die situative Nachfrage nach offenen Punkten, die von der ursprünglich ausgearbeiteten Frageliste unbeantwortet geblieben sind.

Schließlich haben die Fragenden in der vierten Phase die Möglichkeit, kritisch über einzelne Punkte zu diskutieren.

Grundsätzlich werden die Interviews respektvoll und empathisch geführt. Oft werden Fotos, Dokumente oder Artefakte gemeinsam angeschaut, wodurch die Erinnerung angeregt wird.

Nach dem Interview fertigen die Interviewer eine Kurzbiographie und ein Interviewprotokoll mit einer Beschreibung der Interviewsituation an. Die Interviewten erhalten eine aufgezeichnete Kopie des Interviews.

Mit dem Interview hat das Projekt auch die Berechtigung erhalten, den Erinnerungsbericht für nicht-kommerzielle Bildungs- und Forschungszwecke zu verwenden.

Die biografisch-narrative Methode nach Alexander von Plato (PDF)