Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland

Ausmaß der Verwüstung

Von deutschen Truppen beim Abzug gesprengte Eisenbahnbrücke Gorgopotamos. Private Sammlung Georgios Chandrinos

Von deutschen Truppen beim Abzug gesprengte Eisenbahnbrücke Gorgopotamos. Private Sammlung Georgios Chandrinos

Die Stadt Kalavryta am Tag nach dem Massaker, Museum des Holocaust der Stadt Kalavrita.

Die Stadt Kalavryta am Tag nach dem Massaker, Museum des Holocaust der Stadt Kalavrita.

Bei ihrem Abzug im Herbst 1944 hinterließ die Wehrmacht ein ausgeblutetes Land. Zehntausende erlagen den Folgen der Hungersnot und der langjährigen Mangelernährung. Zwischen 30.000 und 50.000 Menschen verloren im Widerstand und Partisanenkrieg ihr Leben, ein Großteil von ihnen Zivilsten, welche bei Vergeltungsaktionen hingerichtet und ermordet wurden. Knapp 60.000 griechische Juden wurden deportiert und kamen in den deutschen Lagern um. Von annähernd 800 Dörfern und Kleinstädten blieben fast nur Ruinen zurück. Die Folgen des materiellen Schadens waren kaum abzuschätzen. Das Land litt unter einer Hyperinflation und der beinahe vollständigen Vernichtung seiner Infrastruktur. Dies war das Ergebnis einer Besatzungspolitik, die rücksichtlos natürliche Ressourcen ausbeutete, während beim Abzug der Wehrmacht schließlich noch die letzten verbliebenen Reste systematisch zerstört wurden. Beinahe alle Eisenbahnbrücken waren gesprengt, 80 % der Schieneninfrastruktur zerstört, 73 % der Handelsflotte war versenkt und nicht weniger als 200.000 Häuser waren teils irreparabel beschädigt. Jeder dritte Grieche litt an Infektionskrankheiten, vorwiegend an Malaria, Tuberkulose oder Typhus, wobei in manchen Regionen sogar mehr als 70 % der Bevölkerung und vor allem Kinder betroffen waren.