Springe direkt zu Inhalt

Projektbeschreibung

Effi Papatheodorou, Tochter eines Widerstandskämpfers und heute eine der bekanntesten Schauspielerinnen Griechenlands

Effi Papatheodorou, Tochter eines Widerstandskämpfers und heute eine der bekanntesten Schauspielerinnen Griechenlands

Das binationale und interdisziplinäre Projekt „Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland“ wurde zwischen 2016 und 2023 von den Digitalen Interview-Sammlungen am Center für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität Berlin durchgeführt. Ziel des Vorhabens war der Aufbau eines Interview-Archivs, um die mündlichen Überlieferungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg wissenschaftlich zu sichern und zugänglich zu machen. Die Initiative ging aus einer Kooperation zwischen der Freien Universität Berlin (Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos) und der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen (Prof. Dr. Hagen Fleischer) hervor.

Im Rahmen des Projekts zeichnete ein Team aus Oral-Historians, Sprachwissenschaftler*innen und Übersetzer*innen 93 Zeitzeugeninterviews auf, erschloss diese wissenschaftlich und stellte sie in einem zweisprachigen Online-Archiv bereit. Auf der Grundlage dieses Bestands wurde in einem zweiten Projekt eine digitale Bildungsplattform mit multimedialen Lehreinheiten sowie einem griechischsprachigen Leitfaden für Lehrkräfte erarbeitet. Ergänzend dazu entstand ein Hintergrundfilm.

Das Vorhaben wurde als Kooperation beider Universitäten umgesetzt und vom Deutsch-Griechischen Zukunftsfonds des Auswärtigen Amts, der Stavros Niarchos Stiftung sowie der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) gefördert.

Das Archiv "Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland"

Seit April 2018 ist das digitale Archiv „Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland“ online zugänglich. Es umfasst 93 lebensgeschichtliche Videointerviews, die mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in verschiedenen Regionen Griechenlands sowie in Israel und Berlin geführt wurden. Zu den Befragten gehören unter anderem Überlebende des Holocaust, Widerstandskämpfer*innen, Opfer von Massakern an der Zivilbevölkerung sowie ehemalige Zwangsarbeiter*innen.

Alle Interviews wurden transkribiert und ins Deutsche übersetzt. Für die wissenschaftliche Nutzung wurde das Material umfassend erschlossen: Neben den Aufnahmen bietet das Archiv Kurzbiografien, Interviewprotokolle, Kontextanmerkungen sowie einen Fachthesaurus mit über 3.000 Einträgen.

Die Veröffentlichung des Archivs wurde von öffentlichen Präsentationen in Athen und Berlin sowie einer wissenschaftlichen Konferenz begleitet, die sich mit der Verknüpfung von Zeitzeugenarchiven, Erinnerungskultur und digitalen Ansätzen in der Geschichtswissenschaft befasste. Das Archiv dient als zentrale Recherche- und Bildungsquelle für Wissenschaft, Lehre, Gedenkstättenarbeit sowie die breite Öffentlichkeit.

Die Bildungsplattform "Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland"

An das Archivprojekt anschließend wurde eine Online-Lernumgebung entwickelt, um die Interviews für den Unterricht in Deutschland und Griechenland nutzbar zu machen. Die Lernumgebung liegt in einer deutschen und einer griechischen Sprachfassung vor, die auf die jeweiligen nationalen Bildungssysteme abgestimmt sind.

Sie enthält jeweils sechs Lerneinheiten zu zentralen Themen wie Holocaust, Widerstand, Kindheit oder Kriegsverbrechen. Den Hauptbestandteil bilden ausgewählte Videoausschnitte aus 17 Zeitzeugeninterviews, die um Kurzbiografien, didaktische Kommentare, Aufgabenstellungen sowie rund 1.000 Zusatzmaterialien (Dokumente, Fotos, Karten) ergänzt werden.

Ein begleitender Hintergrundfilm des Filmemachers Chrysanthos Konstantinidis bietet eine historische Gesamteinordnung und lässt sich auch als eigenständige Dokumentation nutzen. Zudem unterstützt ein didaktischer Leitfaden (in griechischer Sprache) Lehrkräfte beim Einsatz im Unterricht. Gefördert wurde diese Projektphase vom Auswärtigen Amt und der Stavros Niarchos Stiftung.

Deutsch-griechische Begegnung und der Schülerwettbewerb „Challenge History“

Neben der Entwicklung von Archiv und Bildungsplattform zielte das Vorhaben darauf ab, die Auseinandersetzung mit den Zeitzeug*innenberichten im deutsch-griechischen Jugendaustausch und in Bildungskontexten zu verankern. Durch die Arbeit mit den persönlichen Lebensgeschichten sollte ein gemeinsames historisches Bewusstsein gefördert und der Dialog zwischen jungen Menschen gestärkt werden.

Als ein zentraler Baustein wurde 2021/2022 unter der Schirmherrschaft der Griechischen Botschaft in Berlin der bundesweite Schülerwettbewerb „Challenge History – Remember Hellas“ durchgeführt. Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 bis 13 nutzten das Archivmaterial, um eigene kreative und forschende Beiträge – wie Podcasts, Ausstellungen oder Medienprojekte – zur NS-Besatzungszeit in Griechenland zu erarbeiten. Damit wurde gezeigt, wie die Auseinandersetzung mit konkreten Lebensgeschichten das historische Bewusstsein stärkt und Raum für einen differenzierten Dialog schafft.

Nachhaltige Betreuung

Seit 2024 wird das Archiv vom Team der Digitalen Interview-Sammlungen an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit dem Centrum Modernes Griechenland betreut. Seit 2025 ist das Archiv Teil der Infrastruktur "Oral History Digital"